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Seit nunmehr 8 Jahren finden in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel Gesprächsgruppen nach der Sokratischen Methode mit stetig wachsendem Erfolg statt. Sie dienen dazu, Langinhaftierte auf ihre Entlassung – auf "die Zeit draußen" – vorzubereiten. Die Teilnahme an den Gesprächsgruppen ist freiwillig. Das Projekt wird von der Sozialpädagogischen Abteilung der JVA im Rahmen des Entlassungstrainings finanziert. In den Sokratischen Gesprächen in der JVA Tegel arbeiten drei Gruppen von derzeit jeweils 12 bis 14 Gesprächsteilnehmern mit der Unterstützung von zwei ausgebildeten Sokratischen Gesprächsleitern über längere Zeit intensiv an einem selbst gewählten, grundlegenden Thema. Beispiele für solche Themen sind: "Wie aus einem Teufelskreis herauskommen?", "Wie gehe ich Auseinandersetzungen an?", "Dinge verändern", "Wie viele Freiheiten nehme ich mir?", "Wie komme ich mit Ohnmacht klar?", "Wie entsteht Freundschaft?", "Wovon hängt es ab, dass ich verzeihe?", "Wie gehe ich mit Gefühlen der Ohnmacht und Enttäuschung um?", "Was habe ich mir vorgenommen und was habe ich erreicht?"
Unter den Teilnehmern sind Protestanten, Katholiken, Orthodoxe
und Muslime. Manche verstehen sich als Atheisten. Sie stammen u.a. aus
Deutschland, dem Libanon, Moldawien, Polen, Rumänien, Russland,
der Türkei u.a. Ländern. Die typischen Delikte sind: Betrug,
Diebstahl, Drogenhandel, bewaffneter Raubüberfall, Vergewaltigung,
Menschenhandel, Mord. Die Haftzeiten liegen zwischen 4 Jahren und
lebenslänglich. Anhand ihrer eigenen konkreten Erfahrungen setzen sich die Teilnehmer mit dem jeweiligen Thema und ihren eigenen Gedanken dazu auseinander. Ziel des Gesprächs ist es, die Werte und Ziele zu klären, die das eigene Leben orientieren. Die Teilnehmer üben sich darin, konkret an persönlichen Problemen anzusetzen, sie vernünftig zu durchdenken und eigenständige Lösungen zu finden. Es geht hierbei weniger um Lösungen für den einzelnen Fall als um tiefgreifende Wahrnehmung und Klärung des eigenen Lebensweges. Die Teilnehmer erarbeiten sich selbständig Einstellungen, die ihr zukünftiges Verhalten in der Gesellschaft stabilisieren. Die Leiter der Gruppen "belehren" nicht, sondern fördern die eigene Einsichtsgewinnung der Gesprächspartner. Im Sokratischen Gespräch üben die Teilnehmer vor allem auch kommunikative, soziale und selbstreflexive Gesprächstugenden ein. Die gemeinsame disziplinierte Arbeit der Gruppe führt dazu, dass die Teilnehmer andere Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten kennen lernen sowie Distanz zu eingespielten Vorurteilen gewinnen. Sie lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten, respektvoll miteinander umzugehen, sich zuzuhören, bei der Sache zu bleiben, Gedanken für sich und andere zu ordnen, aufrichtig zu sein, sachlich Kritik zu üben, berechtigte Kritik anzunehmen. Wie gehen wir im Sokratischen Gespräch vor?Die Methode umfasst 6 Phasen, die jeweils aus kleineren Schritten bestehen: 1. Gemeinsam ein relevantes Thema finden 2. Auf eigene Lebenserfahrung beziehen 3. Auf eine Erfahrungssituation konzentrieren 4. Ein konkretes Urteil formulieren 5. Analysieren 6. Begründen Der konkrete Erfahrungsbezug bleibt über alle 6 Schritte durchgängig erhalten. Wie fassen unsere Teilnehmer
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Anerkennung: |
"Die beste Anerkennung ist die, für die man nicht gezielt etwas tut, sondern bekommt, wenn man sich entsprechend den eigenen Werten verhält." |
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Verzeihen: |
"Man muss verzeihen können, sonst
kommt man nicht zur Ruhe." |
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Ziele: |
"Ziele müssen realistisch, machbar sein. Es hat keinen Sinn, wie ein Vogel fliegen zu wollen. Ziele müssen auch bescheiden sein, d.h. sie sind meiner Situation angemessen." |
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Veränderung: |
"Man lernt Veränderung, wenn man lernt, mit Problemen und Widerständen vernünftig umzugehen, Prioritäten zu setzen, sich klar macht, dass man für sich selbst verantwortlich ist." |
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Teufelskreis: |
"Um aus einem Teufelskreis herauszukommen, muss man ein Ziel klar vor Augen haben, den Willen haben, es zu erreichen, konsequent sein in dem, was man tut (man muss auch mal verzichten können)." |
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Lernen: |
"Lernen führt dazu, die Dinge realistischer zu sehen. Lernen heißt, die Erfahrungen, die man während seines Lebens macht, umzusetzen. Dadurch kriegt man eine stabile realistische Haltung." |
Eine Mindmap, die eine Gruppe im Sokratischen Gespräch zum Thema "Dinge verändern" entworfen hatte:
Weitere Informationen über die
Justizvollzugsanstalt Berlin Tegel erhalten Sie auf der offiziellen
Homepage unter www.Berlin.de/jva-tegel/
sowie auf der Homepage der Gefangenen unter www.planet-tegel.de
Literaturhinweise
zu unseren Gesprächen entnehmen Sie bitte der Projekte-Seite
von pro argumentis.
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